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SENDETERMIN Fr, 27.1.2017 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Polen Auschwitz

Auschwitz, Oswiecim, - ein Ort in Polen, zwischen Kattowitz und Krakau. Eine Kleinstadt, nahe der Weichsel, ein Industriegebiet, eine Gegend ohne besondere Eigenschaften.

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Auschwitz: Stacheldrahtumzäunung

Auschwitz: Stacheldrahtumzäunung

Auschwitz ein Synonym für das größte aller Verbrechen: die Ermordung der europäischen Juden. Auschwitz markiert einen Zivilisationsbruch. Es erinnert daran, dass mitten im 20. Jahrhundert die Deutschen fähig waren zu einem singulären Verbrechen dem über 5 Millionen Juden zum Opfer fielen.

Auschwitz, das Stammlager, im Mai 1940 von den Nationalsozialisten eingerichtet in ehemaligen Militärbaracken, ein Konzentrationslager, ein Arbeitslager. Seine Insassen waren fast ausschließlich Polen, politische Häftlinge. Sein Tor trägt die Inschrift Arbeit macht frei. Am 3. September 1941 fand hier der erste Vergasungsversuche statt: 600 sowjetische Gefangene und 259 Gefangene aus der Krankenbracke wurden mit Zyklon B ermordet.

Auschwitz-Birkenau: der Ort der systematischen Vernichtung, im Herbst 1941 auf Befehl von Himmler erbaut. In Birkenau entstehen vier Gaskammern mit Krematorien. Innerhalb 24 Stunden konnten 4756 Leichen eingeäschert werden. Bei der Ermordung der ungarischen Juden im Sommer 1944 laufen die Krematorien heiß. Vorzeitige Materialermüdung droht. Der Erfurter Firma Topf und Söhne gelingt es bis zum Ende nicht, dieses Problem technisch zu lösen. Die Leichen werden aufgeschichtet und verbrannt. Man schätzt, dass in Auschwitz 1,5 Millionen Juden ermordet wurden. Am 26. November 1944 befielt Himmler die Zerstörung der Krematorien. Am 27. Januar 1945 wird Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit.

Ich war als Leichenträger eingeteilt. So wurde ich auch Zeuge der ersten Vergasung im Block 11. Wir mussten von dort die Leichen hinaustragen. Es war ein makabres Bild.

Ich war als Leichenträger eingeteilt... (Dr. Czeslaw Glowacki, Häftling)

Auschwitz - das lässt sich nicht zeigen. Dieser Name wird umstellt mit der Wiederholung der immergleichen medialen Bilder. Wer kennt sie nicht, die Aufnahmen, die nach der Befreiung gedreht wurden, die Kinder, die den Kameras ihre eintätowierten Nummern zeigen, die Bilder der Krematorien, der Zyklon B - Dosen.

Heute ist Auschwitz eine viel besuchte Gedenkstätte, ein Ort der Erinnerung. Er trägt die Bürde der Morde. Er ist ein Museum - mit allen Problemen: Wie lässt sich das Undarstellbare museal repräsentieren? Mit Bergen von Schuhen, mit aufgehäuften Haaren, mit den Koffern, auf denen die Namen derer stehen, die dann in die Gaskammern getrieben wurden?

Der Film "Auschwitz" beginnt in unserer Gegenwart, er zeigt die museale Wirklichkeit durch die Blicke der Besucher. Und er endet damit, dass er die bekannten Fernsehbilder zitiert, ohne sie vollständig zu zeigen. Sie werden gebrochen an den Ruinen der Krematorien in Birkenau. Er versucht dem Stammlager Auschwitz und dem Ort der Vernichtung Birkenau gerecht zu werden, indem er sich ganz auf diese Orte konzentriert, um gleichsam durch sie hindurch zu schauen.

Der Film verzichtet auf jeden Kommentar. Er zitiert und montiert Aussagen der Auschwitz-Prozesse von 1964.

Daten & Fakten

»Kultur«-Denkmal: Arbeit - und Vernichtungslager in drei Lagergruppen aufgeteilt, Gesamtopfer etwa 4 Mio.
UNESCO-Ernennung: 1979
1940-43
Rudolf Höss Lagerkommandant
20.5.1940
Aufbau der Arbeits- und Vernichtungslager
22.11.1940
erste Erschießungen
14.10.1941
Beginn der Deportationen aus dem Deutschen Reich in die Vernichtungslager in Osteuropa
20.1.1942
Wannsee-Konferenz zur »Endlösung der Judenfrage«
26.3.1942
erste Transporte des so genannten »Endlösungsprogramms« der »Judenfrage«
12.5.1942
erste datierbare Vergasung
23.6.1942-2.11.1944
systematische
Vergasungen
November 1944
Anordnung zur Zerstörung der Krematorien durch Himmler
18.1.1945
letzter Evakuierungsmarsch
27.1.1945
Befreiung der Lager durch die Rote Armee
1947
Todesurteil gegen Rudolf Höss, der auf dem Boden des KZ Auschwitz gehängt wird
1999
Protestmarsch gegen ein geplantes Gesetz zur Errichtung einer »Schutzzone« um die Gedenkstätte

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© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

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